Antworten für Gastgeber — keine Ausreden: von Urlaub in Krisenzeiten über Gästemangel bis hin zu Overtourism

Sainey Sawaneh, Podcast-Host, Markenbotschafterin, Reiseagentur sowie Projektmanagerin bei der Agentur Rupp
Sainey Sawaneh, Podcast-Host, Markenbotschafterin, Reiseagentur sowie Projektmanagerin bei der Agentur Rupp
Reisen ist omnipräsent, ein Megatrend, gekommen um zu bleiben: selbst in den aktuellen Krisenzeiten geht es in Schlagzeilen und News darum, ob man fliegen kann, wann, wohin und wie teuer. Andere Artikel mutmaßen, dass Themen, wie „Teuerung“, „Umweltschutz“ und vor allem auch „Krisen“ mittel- bis langfristig zu einem Rückgang der Reisetätigkeiten führen können. Doch das Reisen - konkret auch Urlaub machen – ist gekommen um zu bleiben.

Neue Quellmärkte, globale Dynamik: Wer reist morgen wohin?

Krisen oder Medien werden Menschen und ihre Reiseentscheidungen zwar weiterhin beeinflussen, jedoch nicht aufhalten – wir sehen gerade wieder, dass dies nur echte Reisewarnungen, Flugverbote oder kurzfristig auch Flugstreichungen und Streiks können. Menschen wollen und werden trotzdem reisen. Nicht nur aus Europa, steigende Zahlen und Prognosen der IATA (International Air Transport Association) oder UN Tourism zeigen, dass auch die Schwellenländer zu immer stärkeren, „neuen Quellmärkten“ werden. Und diese lassen es sich nicht mehr nehmen auch die Welt zu entdecken.

Overtourism dominiert die Schlagzeilen — Lösungen bleiben Mangelware

Overtourism war in 2024 noch das häufigste Thema in den Medien in Bezug auf Reisen – Alternativen werden leider kaum genannt und wenn dann nur in Special-Interest-Medien. Die EU Kommission hat dementsprechend „Unbalanced Tourism“ in Veröffentlichungen und Projekten den Kampf angesagt.

Meine Bitte und Empfehlung auf Basis von aktueller Entwicklung, Daten und persönlicher Erfahrung aus 30 Jahren in der Branche: bitte das Steuer übernehmen, keine Zeit damit verschwenden Ausreden zu suchen – beispielsweise den lokalen Gästeschwund als allgemeines Problem ansehen. Wir müssen uns klar darüber sein: „Es wird gereist und was kann ich davon beeinflussen?“

Die richtigen Fragen stellen: Wer sitzt mit am Tisch?

Im Multi-Stakeholder-Dialog sollten gemeinsam Antworten gefunden werden:

  • Bei all den Herausforderungen, wie soll es mit den essentiell wichtigen (und von mir sehr geschätzten) Gastgebern morgen weitergehen? Ohne sie geht es nicht.
  • Und was sagt die Community, die Einheimischen oder die nächste Generation?
  • Wie viele Gäste kann und sollte man wann, wo, wie lange und mit welchem Preis-Leistungs-Paket haben? Auch im Hinblick auf Ressourcen und darunter essentiell die Ökologie.
  • Gibt es am Standort „in der touristischen Destination“ ganzjährige und wetterunabhängige Erlebnisse, im Englischen sagt man „attractions“?

 

Kein Disneyland — aber was dann? Das Potenzial authentischer Erlebnisse

Ich lebe in Tirol, hier spricht man mittlerweile vom Lebensraum und wenn ich an einem Regentag nach Alternativen, Attraktionen frage, dann entgegnet man zurecht mit Stolz
„Wir wollen und brauchen kein Disneyland“. Das stimmt, ein rein auf Konsum ausgerichteter Freizeitpark, der zudem noch den Boden versiegelt und nicht authentisch ist, wäre fatal – auch für die Umwelt.

Für Urlauber können allerdings auch andere lokale und traditionelle Erlebnisse ein Grund sein, ihre Reise nicht zu stornieren. Ich gehe sogar noch weiter: einzigartige Erlebnisse führen zu Buchungen und auch längeren Aufenthalten.

Best Practice: Buahan, a Banyan Tree Escape — Erlebnis statt Kulisse

Buahan, a Banyan Tree Escape ist ein Rückzugsort nördlich von Ubud, einem mittlerweile fast schon zu beliebten Ort auf Bali. Abseits wurde ein neuartiger und zugleich traditioneller Ort geschaffen. Das Resort folgt dem offenen „No Walls, No Doors“-Konzept und umfasst 16 private, offen gestaltete Poolvillen und ein großes, offenes Wohnzimmer.

Die offene Bauweise hat Tradition auf Bali und soll den Austausch fördern. Dieser ungewöhnliche Zufluchtsort wurde gemeinsam mit der Community gestaltet und nun bereits mehrfach international ausgezeichnet, z.B. mit zwei Guide Michelin Keys, Travelife Gold sowie Spitzenplatzierungen in den Condé Nast Traveler Readers’ Choice Awards und Gold List 2026.

Was zählt: Erleben, teilen, weitererzählen

Kommuniziert werden nicht die luxuriösen Einrichtungen, sondern die gemeinsamen Erlebnisse am Wasserfall, Zeremonien oder Rituale, Sammeln im Dschungel oder Ernten auf Feldern des Bio-Bauernhofs am Resort, Kochen und Genießen in der offenen Küche.

Erlebnis ohne künstliches Disneyland, wetterunabhängig, im Einklang mit der Bevölkerung und der Natur. Das können nur Menschen, Gastgeber schaffen – und auch das nur gemeinsam. Hinter allem steht die Kommunikation.

Schlussendlich wird das Erlebte auch noch in den Sozialen Medien verbreitet – auch da sollten die Protagonisten wieder am Steuer sein. „Wird kein Overtourism verursacht?“ „Werden genug Alternativen gezeigt oder angeboten?“

Nachhaltiges Reisen ist alternativlos — also zurück ans Ruder

Wo nichts passiert, nicht kommuniziert wird und dann auch niemand mehr kommt, werden einige froh über ihre Ruhe sein, aber andere werden die geringere Wertschöpfung, den Wegzug ihrer Kinder und den Verfall beklagen. Ich sage dann gerne „(nachhaltiges) Reisen ist alternativlos“. Dann doch lieber zurück ans Ruder – gemeinsam. Denn Reisende können wir nicht aufhalten.

Mission der Agentur Rupp:

„Unser Ziel ist es, eine einladende und offene Welt zu zeigen und mitzugestalten.“ Kommunikation ist der Schlüssel, der Menschen verbindet und gegenseitiges Verständnis sowie Klarheit schafft. Wir sind überzeugt, dass das Reisen essenziell ist, um den Horizont zu erweitern, Offenheit zu fördern und eine vernetzte Welt zu schaffen.

Quellen und weitere Informationen:

https://www.iata.org/en/pressroom/2026-releases/2026-03-17-01/

https://www.untourism.int/news/international-tourist-arrivals-up-4-in-2025-reflecting-strong-travel-demand-around-the-world

https://transition-pathways.europa.eu/tourism/knowledge-documents/navigating-future-strategies-sustainable-and-balanced-tourism-eu

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