Die klassische Hotellerie: Wird das noch gebraucht oder kann das weg?

Lea Robyn Hilgers
Lea Robyn Hilgers
Es ist mittlerweile keine Neuigkeit mehr; die ganze Welt steht vor einer gemeinsamen Herausforderung: Dem Klimawandel. Auch die Tourismusbranche und Hotellerie sind hiervon nicht ausgenommen. Bevor ich der Vorstellung verschiedenster nachhaltiger Maßnahmen Raum gebe, möchte ich mich jedoch noch einer grundlegenden Frage widmen.

Warum denn eigentlich? Warum die Mühe der Veränderungen auf sich nehmen? Man könnte schließlich auch einfach alle nicht-klimafreundlichen Prozesse, Produkte und Dienstleistungen weglassen, oder?

Teilweise ist dieser Gedanke durchaus schon verbreitet, denn Serviced Apartments und andere von der ‚klassischen‘ Hotellerie abweichenden Variationen an Beherbergungsmöglichkeiten gesellen sich zum allgemeinen Angebot dazu, die sogenannte ‚ergänzende‘ Hotellerie. Natürlich hat die Digitalisierung allein bereits den Weg in diese Richtung geebnet, doch aufgrund der Ressourcen sparenden digitalen Möglichkeiten gehen beide Hauptursachen für den Wandel der Arbeitswelt, Digitalisierung und Nachhaltigkeit, Hand in Hand.

 

Es stellt sich also die Frage: Warum? Welchen Beitrag leistet die klassische Hotellerie für die Gesellschaft?

Das Gastgewerbe allgemein ist ein wichtiger Wirtschaftszweig, der zahlreiche Arbeitsplätze schafft und Ausbildungsmöglichkeiten bietet. Wie beinahe alle Unternehmen, sieht natürlich auch die Hotellerie den Herausforderungen des Fachkräftemangels entgegen, welcher aufgrund des demografischen Wandels auftritt. Erschwerend kommt noch hinzu, dass unsere Gesellschaft bei einer Generation angekommen ist, die vorwiegend studiert und somit weniger junge Menschen bereit sind, eine Ausbildung zu beginnen. Die Schichtarbeit wird immer unattraktiver, da eine gute Work-Life-Balance präferiert wird.

Kehren wir also zum wirtschaftlichen Beitrag der klassischen Hotellerie zurück. Sie hat einen positiven Einfluss auf die Infrastruktur verschiedenster Städte und Länder. Denn Beherbergungsstätten ermöglichen Touristen, an anderen Orten Urlaub zu machen oder Kurztrips zu unternehmen. D.h. das Gastgewerbe kann sich z.B. mit lokalen Betrieben vernetzen und die Attraktivität des jeweiligen Ortes steigern. Dies kurbelt wiederum die Wirtschaft und daraus resultierend den regionalen Bau, die Landwirtschaft und den Ausbau der Infrastruktur an, wie z.B. die Wasserversorgung und Abfallentsorgung. Vor allem strukturschwache Regionen profitieren von dieser Entwicklung. Wie sollen es eben diesen Regionen möglich sein, die eigene Infrastruktur nachhaltiger zu gestalten, wenn einer der Hauptzahlungsflüsse, der Tourismus, wegfällt? So leicht ist die Rechnung nämlich nicht. Laut des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft stimmt es zwar tatsächlich, dass Menschen in Hotels und Pensionen deutlich mehr Wasser verbrauchen als in Privathaushalten und dies könnte als Minus gesehen werden, allerdings:

 

1. Wird ebenso in der klassischen als auch der ergänzenden Hotellerie geduscht etc.

2. Ist die Wasserverschwendung bei schlechter, veralteter und/oder reparaturbedürftiger Wasserversorgung durch mangelnde Ressourcen für eine vernünftige Infrastruktur deutlich größer als die Differenz zwischen dem Wasserverbrauch im Urlaub und zu Hause

3. Kann eben diesem Wissen auch durch andere Maßnahmen entgegengewirkt werden

 

Zuletzt sei noch der wesentliche Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt erwähnt, der die Prägung kultureller Bilder der jeweiligen Regionen und persönliche Interaktionen über geografische Grenzen hinaus ermöglicht. Diesen Wunsch nach direktem Austausch und dem Erleben anderer Kulturen erfüllt die klassische Hotellerie, indem sie nicht nur als Beherbergungs-, sondern außerdem als Begegnungsstätte fungiert.

Serviced Apartments oder Shared Economy, wie z.B. Airbnb, bieten keinen vergleichbaren Raum für diese Art des Austauschs. Die Hotellerie kann also nicht „weg“, um die grundlegende Frage dieses Berichts zu beantworten. Das würde nämlich sowohl wirtschaftlich als auch sozial und kulturell einen enormen Verlust bedeuten.

Welche Maßnahmen es gibt, damit auch Hotels ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten, die auch zunehmend bereits umgesetzt wurden oder werden, betrachten wir zusammen in weiteren Beiträgen.

Lea Robyn Hilgers
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