Halten statt Suchen!

Bernhard Patter, Geschäftsführender Gesellschafter diavendo GmbH
Bernhard Patter, Geschäftsführender Gesellschafter diavendo GmbH
Eines haben wir in der Hotellerie verstanden: Neue Mitarbeitende zu finden ist aktuell sehr schwierig. Mittlerweile suchen aber auch viele andere Unternehmen außerhalb der Hotellerie, Gastronomie und Touristik ebenso nahezu verzweifelt Mitarbeitende. Und wenn Du nun tatsächlich einen gefunden hast, heißt das noch nicht, dass dieser auch schon so fit ist, dass er Dir sofort weiterhilft.

Zunächst folgt zuerst einmal Onboarding, Einarbeitung, Trainings und Coachings, Gespräche, das richtige Kennenlernen der Stärken, der Schwächen und die Prüfung, ob er oder sie wirklich ins Team passt. Naja, denkst Du, dafür habe ich immerhin in Deutschland sechs Monate Zeit – unabhängig wie lange Du die Probezeit vereinbarst. Ja, nur was kostet das für eine Energie, Kraft, Geduld und Einsatz von Dir und Deinen bestehenden Teams? Rechne das mal hoch und denke stets daran, dass jeder Neue zu Beginn eine Art von Unrhythmus verursacht. Zumindest bis er oder sie so richtig integriert ist.

Immer wieder höre ich von Hoteliers und Gastronomen, dass sie überrascht oder gar verärgert sind über die gestiegenen Gehaltsvorstellungen vieler Bewerberinnen und Bewerber. Zähneknirschend stimmen sie dann diesen „Bedingungen“ zu, denn sie brauchen ja dringend neue Leute. Allerdings diskutieren sie gleichzeitig mit bestehenden Mitarbeitenden über eine mögliche Gehaltserhöhung von oft nur € 100 bis € 200 pro Monat und lehnen diese auch noch aus Kostengründen ab. Interessant, oder? Denn was passiert nun? Der neue Mitarbeitende wird teurer eingestellt und erhält somit mehr als der bestehende, bisher loyale sowie integrierte Mitarbeitende, der keine Gehaltserhöhung bekommt. Scheinbar geben Unternehmen lieber für den neuen Mitarbeitenden mehr Geld aus bzw. übernehmen die Onboarding- und Einarbeitungskosten, die ein Vielfaches der möglichen Gehaltserhöhung des bestehenden Mitarbeiters betragen. Und on top lassen sie den schlechter bezahlten, langjährigen Mitarbeitenden auch noch den neuen Kollegen einarbeiten. Logisch? Nein, definitiv nicht. Hier hast Du ein enormes Konfliktpotenzial geschaffen, Frustration und einhergehende sinkende Motivation. Am Ende des Tages hast Du was? Einen langjährigen Mitarbeitenden, der entweder demotiviert ist, vielleicht sogar „krank“ wird oder kündigt. Und einen noch nicht eingearbeiteten neuen Mitarbeitenden, der noch keine Loyalität zu Deinem Unternehmen aufgebaut hat.

Bitte sei Betriebswirt, sei Stratege und bleibe Mensch – auch als Unternehmer. Schau dass Du Deine bestehenden Mitarbeitenden nicht verlierst. Schaue auch, dass diese sich weiterentwickeln können: inhaltlich, fachlich und auch gehaltlich. Diese Entwicklung ist oft günstiger und vor allem nachhaltiger. Vor allem dann, wenn der Markt aktuell nicht so viel Potenzial hergibt.

Drei Tipps für den strategischen Ansatz:

  1. Prüfe das Potenzial Deines bestehenden Mitarbeitenden
  2. Berechne, welche Kosten eine mögliche Gehaltserhöhung für die bestehende Mitarbeiterin oder den bestehenden Mitarbeiter verursachen würde und berücksichtige dabei auch, was eine mögliche Kündigung sowie die anschließende Suche, Einstellung und Einarbeitung einer neuen Kraft für Dich, den Betrieb und das Team bedeuten würden. Rechne die Kosten dafür aus und vergleiche entsprechend.
  3. Definiere mit Deinem bestehenden Mitarbeitenden, welche Zusatzaufgaben er oder sie bereit ist zu übernehmen, welche nächsten Schritte er oder sie gehen möchte, wie er oder sie sich weiterqualifizieren und zu einem ROI der Gehaltserhöhung beitragen kann.

 

Lass Dich überraschen: In vielen Fällen sparst Du mit der Gehaltserhöhung bei Deinem bestehenden Mitarbeitenden mittel- und langfristig richtig Geld! Viel Erfolg dabei.

Mindestens € 10.000 kostet ein Mitarbeiterwechsel!

Und dabei sprechen wir lediglich von einem Wechsel z. B. eines Mitarbeitenden am Empfang. Bei Abteilungsleitenden oder sogar Managern ist der Betrag um einiges höher. Also durchaus auch ein Grund, um sich über Nachhaltigkeit Gedanken zu machen. Unter dem Fachbegriff CSR Corporate Social Responsibility verbergen sich einige Aktivitäten, die man innerhalb seines Unternehmens ergreifen kann, um Mitarbeitende zu halten. Genauso, wie man ja auch bei ökonomischen oder ökologischen Situationen die Nachhaltigkeit beachtet. Neben den Energiekosten sind die Personalkosten die zweithöchsten Kosten. Dennoch gehen Unternehmen damit höchst fahrlässig um. In Zeiten des Fach- und Mitarbeitermangels ist es noch wichtiger, die bestehenden Mitarbeitenden zu halten – allerdings auch entsprechend zu entwickeln und zu fördern. Gerade in der Service-Industrie wie Hotellerie, Gastronomie und Touristik ist der Mensch und damit der Mitarbeitende nach wie vor der wichtigste Kunden- und Gästebindungsfaktor.

Das „Wiederverwenden“ und damit das Halten des Mitarbeitenden spart Kosten und sichert somit auch die Gast- und Kunden-Zufriedenheit. Drei wichtige Faktoren stellen hier die Mitarbeiterbindung sicher:

  • Transparenz
    • Kennen Deine Mitarbeitenden Ihre Ziele oder kann hier vielleicht sogar von einer gemeinsamen Zielsetzung gesprochen werden?
    • Wie transparent sind Deine Prozesse und Deine Zahlen? Schaffst Du es, Deine Mitarbeitenden zu Mit-Denkern und Mit-Unternehmern zu machen? Wie sieht die Identifikation Deiner Mitarbeitenden mit Deinem Unternehmen aus?
    • Transparenz schafft Vertrauen. Vertrauen bindet und ist einer der Schlüssel für eine Mitarbeiter-Nachhaltigkeit.
  • Wertschätzung
    • Lob & Anerkennung, zwei wichtige Faktoren zur Motivation von Mitarbeitenden.
      • Im Wort „Motivation“ ist das Wort „Motiv“ enthalten. Also der Beweggrund. Was bewegt Deine Mitarbeitenden, Engagement zu zeigen und bei Dir im Betrieb zu bleiben.
    • Schätzt Du den Wert Deiner Mitarbeitenden? Das ist i. Ü. auch kein „One-Way-Interface“, sondern in einer guten Unternehmenskultur gibt es ein „Two-Way-Interface“, also die Wertschätzung in Richtung Mitarbeitenden – allerdings auch in Richtung Geschäftsführung oder Direktion.
  • Kommunikation
    • Regelmäßige und sinnstiftende Kommunikation sowie Feedback „bindet“! Wie sieht es bei Dir dabei aus?
    • Führst Du Meetings und Jour Fixes durch? Sporadisch oder geplant? Ich liebe Meetings und hasse sie – wenn sie nicht richtig vorbereitet, durchgeführt und nachbereitet werden. Und bei Dir?
    • Kommunikation ist der Schüssel zu einem guten Miteinander, für Verständnis, für Motivation und auch Nachhaltigkeit im Bereich der Mitarbeitenden eines Unternehmens.

 

Bespielst Du diese drei Themen regelmäßig und aktiv? So wirst Du ebenfalls auf der Mitarbeiterebene Nachhaltigkeit erreichen.

Apropos: Für was könntest Du die o. a. € 10.000 einsetzen?

6 Antworten

  1. Herr Patter, Ihre Analyse ist ja brillant! €10.000 für einen Mitarbeiterwechsel – da kann man sich wirklich die Finger vom Feuer halten und statt eines neuen Kollegen lieber den bestehenden mit Zusatzaufgaben und Gehaltserhöhung „aufbürsten. Mitarbeiterbindung statt teurer Personalbeschaffung, das ist doch logisch, oder? Und ja, Transparenz, Wertschätzung und gute Kommunikation – das sind die Zauberworte, um aus dem bestehenden Team eine loyale Truppe zu formen. Manchmal wünschte man sich aber auch mal, dass der Markt *wirklich* viel Potenzial hergibt, wenn man diese Strategien anwendet. Aber ja, langfristig spart man so definitiv Geld – und vielleicht auch ein paar Nerven!baseball bros unblocked

  2. Haha, €10.000 für einen Mitarbeiterwechsel – das ist ja der Preis für eine schlechte Laune! Wer braucht schon ein neues Gesicht am Empfang, wenn man die eigenen Schätze (und Gehälter) halten kann. Die Idee mit der Nachhaltigkeit im Personalbereich ist ja goldrichtig – aber Achtung, nicht zu viel auf die Gehaltserhöhung setzen, sonst fliegt ja jeder mit dem neuen Kollegen ab. Transparenz, Wertschätzung und Kommunikation – Aha! Aber wie oft werden Meetings nur um den Preis des Kaffees abgehalten? Lasst uns ehrlich sein, manchmal ist der Mitarbeiterwechsel sogar eine willkommene Abwechslung für alle Beteiligten. 😉quay random

  3. Haha, €10.000 für einen Mitarbeiterwechsel – das ist ja fast ein kleineres Vermögen! Wer braucht schon eine neue Empfangsmitarbeiterin, wenn man seine alte bestrafen und einen neuen Kollegen quasi auf Kaelche hauen kann? Na ja, logisch, dass das Konfliktpotenzial so hoch ist. Die Nachhaltigkeit kommt hier aber wirklich zum Tragen – am Ende hat man ja jemanden mit geringerer Motivation und jemanden, der noch nicht mal eingearbeitet ist. Brillant! Ich hoffe, der Betriebswirt im Unternehmer hat da vielleicht doch nicht ganz durchgegriffen und die Mitarbeiterin einfach zum Kaffee holen beauftragt. 😉football.bros

  4. Herr Patter, ein wahrhaft unterhaltsamer Plädoyer für das Wiederverwenden unserer Mitarbeiter statt teurer Neukauf! Die € 10.000 für den Wechsel – da könnte man ja auch ein paar Kaffee für die ganze Truppe organisieren, oder? 😉 Danke für den Denkanstoß: Wertschätzung und Kommunikation, puh, das ist ja anspruchsvoll, aber wer sagt, dass Mitarbeiter nicht auch als wertvolle Recyclingschränke für Ideen und Know-how dienen können? Eine nachhaltige Strategie, die!deltarune prophecy generator

  5. Herr Patter, eine brillante Analyse! Wer braucht schon neue Leute, wenn man die alten mit € 10.000 (oder mehr!) motivieren kann? Das ist doch weiser als den ganzen Aufwand für einen Neuzugang. Transparenz, Wertschätzung und Kommunikation – drei Worte, die jeder Führungskraft zur Hand geben sollte, statt ständig nach Personal Ausschau zu halten. Und ja, wir alle wissen doch, dass Mitarbeiter die wahren Experten in jedem Unternehmen sind. Vielen Dank für diesen Denkanstoß – und vielleicht gibt es ja bald auch Weiterbildungen fürs Halten von Mitarbeitern, statt nur fürs Verkaufen? 😉

  6. I do love the manner in which you have framed this issue and it really does present me a lot of fodder for consideration. Nonetheless, because of what I have witnessed, I really trust as the feedback stack on that individuals continue to be on issue and don’t start upon a soap box of the news of the day. Yet, thank you for this fantastic point and while I can not really concur with this in totality, I respect your viewpoint.

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